Der Philosoph Peter Singer wird ja schon seit etlichen Jahren gerne als Tierrechtler oder gar als Gründer der Tierbefreiung missverstanden. Doch wie passt das mit seinen Aussagen zusammen, in denen er Biofleisch toleriert oder gar Tierversuche mit Schimpansen für ethisch korrekt erklärt?

Zitate von Peter Singer:
Jetzt nehmen einige Leute im Übrigen an, dass ich in Animal Liberation gesagt hätte, Tiere zu töten sei grundsätzlich falsch und dass das irgendwie die Basis für Vegetarismus oder Veganismus sei. Aber wenn sie in Animal Liberation nachlesen, würden sie dieses Argument nicht finden.

Es ist sehr schwierig, ein gewissenhafter Omnivore zu sein und alle ethischen Probleme zu vermeiden, aber wenn man wirklich konsequent darin wäre, nur Tiere zu essen, die ein gutes Leben hatten, könnte das eine vertretbare ethische Position sein.

(Guardian-Interview, 08.09.2006)

Wir müssen lernen, Wildfische human zu fangen und zu töten - oder, wenn das nicht möglich ist, weniger grausame und nachhaltigere Alternativen dazu finden.

(guardian.co.uk/commentisfree/cif-green/2010/sep/14/fish-forgotten-victims)

Nur warum wollen dann so viele in Peter Singer einen Vorkämpfer für Tierrechte, den Vegetarismus oder gar dem Veganismus sehen? Entweder haben sie Peter Singer nie gelesen, oder wollen sich ganz bewusst über ihn täuschen.

In Peter Singers philosophischem Hauptwerk „Praktische Ethik“ (1984/1994), das oftmals mit einer Tierrechtsschrift verwechselt wird, finden sich deshalb auch zu den Kapiteln 5 und 7 von 1984, gar merkwürdige Überschriften, wie z.B: "Töten: Tiere" und "Töten: Euthanasie"
In der 2. Auflage von 1994 ändern sich dann diese Überschriften aus Kap. 5 und 7 in: "Leben nehmen: Tiere" bzw. "Leben nehmen: Menschen“.

In diesen Kapiteln führt er dann auch auf, welchen Tieren man das Leben nehmen dürfe und welchen nicht, wobei Fische, Ziegen, Vögel, Kleintiere und viele andere nichtmenschliche Tiere bei ihm voll durchs Raster fallen? Sie alle sind für Peter Singer eben keine Wesen mit einem Personenwert, da er ihnen ein stark ausgeprägtes, individuelles Bewusstsein abspricht. Somit bedürften sie auch keiner speziellen Rechte, sondern könnten durchaus auch getötet werden? Gerade diese willkürliche Einteilung in „Personen“ und „Nichtpersonen“ ist bei Singers Philosophie sehr tückisch. Da es u.a. auch Menschen gibt, mit und ohne Selbstbewusstsein oder Zukunftsbewusstsein, stellt Singer somit auch ihre Lebensrechte in Frage. Dabei begibt sich Singer in die absurdesten Tötungsüberlegungen und konstruiert permanent Fälle, im denen mal Menschen, meist aber nichtmenschliche Tiere getötet werden dürfen. Doch mit solchen Tötungsfantasien gleicht er eher einem, der per Fingerzeig über Leben und Tod entscheiden möchte.

Siehe dazu auch Peter Singer, sein Utilitarismus und seine abenteuerlichen, speziesistischen Tierrechtsvorstellungen:

Es stimmt wohl, daß Singer Grenzen zwischen Tier und Mensch zerstört, indem er Tieren die gleichen Rechte zuspricht wie den Menschen. Ja, zumindest auf den ersten, raschen Blick. Betrachten wir Singers Ausführungen allerdings etwas näher, so wird klar und deutlich, daß er andererseits 100 neue Grenzen aufzieht.

http://tierrechte.blog.de/2011/05/29/singers-praktische-ethik-pseudotierrechte-euthanasie-11235338/

Schon ein Artenschutz schützt allerdings viele Vögel besser, als solche Pseudotierrechte eines Peter Singers. Lediglich Tieren, die menschenähnlicher sind, möchte er ein wenig mehr Rechte verleihen, wie z.B. Menschenaffen. Deshalb beteiligte er sich auch an dem „Great Ape Project“ bei dem Jane Goodall überall in Afrika herum fuhr, um den einheimischen Afrikaner zu erklären, dass sie nicht Affen, sondern lieber Ziegen essen sollten.

Auch für dieses auch so "tierfreundliche" und "antispeziesistische" Projekt, soll er nun am Freitag den 3.6.2011, in Frankfurt den GBS-Ethikpreis erhalten, da er sich angeblich schon seit vielen Jahren für Tierrechte und den Antispeziesismus eingesetzt hätte???
Dass Peter Singer daneben aber auch Tierversuche an Schimpansen befürwortet, scheint, ganz augenfällig, vielen GBS-Mitglieder eher zu gefallen, als zu stören. Wäre Peter Singer ein wirklicher Tierversuchsgegner und Veganer, würde er aller Voraussicht nach auch nie einen GBS-Ethikpreis erhalten. Da drängt sich ganz unwillkürlich der Verdacht auf, dass Vivisektionsfreunde aus den Reihen der GBS, einem Tierversuchsbefürworter wie Singer diesen Ethikpreis überreichen wollen, damit die Tierversuche, die sie weiterhin betreiben wollen, einen ethisch korrekten Anstrich erhalten sollen. Danach werden wohl manche ganz freudig verkünden, dass es gelungen sei Verfahren von Tierversuchen zu entwickeln, die auch mit dem Tierrecht vereinbar seien. Peter Singer sei Dank. Lediglich einige wenige, fanatische Tierrechtler hätten sich diesem großen Tierrechtsprojekt, aus ideologischen Gründen und zu Ungunsten der Tiere verweigert.
Wir kennen sie alle doch nur, unsere Fleisch essenden, ach so tierfreundlichen, Vivisektoren. :-(

Tierrechtlerin Joan Dunayer zu Peter Singer

In Wirklichkeit glaubt Singer, keine Tiere, einschließlich der Menschen, sollten unverletzbare Rechte haben. Er glaubt, das individuelle Wohlergehen und das Leben können im Interesse des "Gesamtwohls” geopfert werden. Mit anderen Worten, man kann mich oder eine Kuh versklaven, wenn die Versklavung das Leben anderer wesentlich verlängert oder verbessert. Man kann mit mir oder einer Maus experimentieren, wenn (hier müssen Sie wirklich Ihr Vorstellungsvermögen strapazieren) diese Experimente an mir oder der Maus das Leben vieler anderer retten sollten.

http://tierrechte.blog.de/2011/05/29/joan-dunayer-peter-singer-11230901/

Laut dem reformistischen Tierschützer Helmut Kaplan, der schon oft durch vegan und tierrechtsfeindliche Positionen und Schriften auffiel, habe Peter Singer gar den rationalen Diskurs in die Ethik hineingebracht?
Oh Weh, welche Ethik meint da eigentlich ein Helmut Kaplan? Vielleicht die Singer-Ethik der Vivisektion, des Biofleisches oder des ethisch, korrekten Mordens?

Nee, auf solch eine mörderische Ethik eines Herrn Singers können wir alle nur all zu gut verzichten. Was soll das denn das für ein rationaler Diskurs sein soll, bei dem ständig und ständig zu erörtert wird, wer oder "was" gemordet werden darf ?

Doch Singer schreibt ja selber, "dass ein Beispiel für die Fähigkeit akademischer Philosophen es sei, Unterscheidungen zu finden, die keine Bedeutung haben" (138, 158 u.ö.)
Leider hat er damit nicht seine kläglichen Versuche gemeint, die die meisten nichtmenschlichen Tiere weiterhin entrechten sollen.

Zitat Peter Singer "Zugegeben, das alles ist spekulativ. Es ist offensichtlich schwierig festzustellen, wann ein anderes Wesen selbstbewusst ist. Aber angenommen, es ist falsch, eine Person zu töten (???), wenn wir es vermeiden können, und es besteht echter Zweifel, ob ein Wesen, das man zu töten gedenkt(???), eine Person ist, so sollten wir den Zweifel zugunsten dieses Lebewesens sprechen lassen. Es gilt hier dieselbe Regel wie unter Jägern(!), welche besagt: Wenn man im Gebüsch etwas sich bewegen sieht und nicht sicher ist, ob es ein Hirsch oder ein Jäger ist, sollte man in beiden Fällen nicht schießen! (Wir mögen zwar meinen, der Jäger sollte in beiden Fällen nicht schießen, aber die Regel ist innerhalb der Jägermoral vernünftig.) Aus diesen Gründen muss die Tötung nichtmenschlicher Tiere zu einem großen Teil (!) verurteilt werden."

Wer Peter Singers „Präferenz-Utilitarismus“ nicht kennt, sich über ihn täuscht, oder meint ihn ignorieren zu können, der begreift ganz einfach nicht das ganze mörderische Desaster, dass sich hinter solchen Pseudotierrechten ala Singer verbirgt. Etliche sehen in Peter Singer deshalb schon eher einen Hofphilosophen der Gen-Industrie, der durch seine speziesistischen Philosophien ihre weiteren Verbrechen an nichtmenschlichen Tieren als ethisch korrekt ausgeben möchte, um sie damit gesellschaftsfähig zu machen. Statt Tierrechte empfiehlt uns Singer bei moralischen Entscheidungen einzig und alleine eine Nutzen-Kosten-Abwägungen, die ganz wundersamer Weise der Gen-Industrie mehr nutzt als nichtmenschlichen Tieren. Ein Narr, der sich Böses dabei denkt.

----------------------------------------------------------------------------------------
----------------------------------------------------------------------------------------

Anhang: Zitate und Links

Gary L Franvcione: Peter Singer unterstützt Tierversuche: Warum sind Sie überrascht?

Meine Antwort ist schlicht: Warum sind Sie überrascht?

Wenn Sie lesen, was Peter Singer seit 30 Jahren schreibt, dann ist völlig klar, dass er Tierversuche mit Nichtmenschen – und Menschen – als moralisch zulässig erachtet. In der Tat verwirft Singer ausdrücklich Tierrechte und die Abschaffung der Tierausbeutung; er betrachtet das Essen von Tieren und Tierprodukten nicht als per se moralisch falsch; er behauptet´, dass wir ''pflichtbewusste Allesesser '' sein.

http://tierrechte.blog.de/2011/05/24/peter-singer-unterstuetzt-tierversuche-ueberrascht-11207717/

Tierrechtlerin Joan Dunayer zu Peter Singer

In Wirklichkeit glaubt Singer, keine Tiere, einschließlich der Menschen, sollten unverletzbare Rechte haben. Er glaubt, das individuelle Wohlergehen und das Leben können im Interesse des "Gesamtwohls” geopfert werden. Mit anderen Worten, man kann mich oder eine Kuh versklaven, wenn die Versklavung das Leben anderer wesentlich verlängert oder verbessert. Man kann mit mir oder einer Maus experimentieren, wenn (hier müssen Sie wirklich Ihr Vorstellungsvermögen strapazieren) diese Experimente an mir oder der Maus das Leben vieler anderer retten sollten.

http://tierrechte.blog.de/2011/05/29/joan-dunayer-peter-singer-11230901/

Singers Praktische Ethik: Pseudotierrechte und Euthanasie
http://tierrechte.blog.de/2011/05/29/singers-praktische-ethik-pseudotierrechte-euthanasie-11235338/

Ethik-Preis für Paola Cavalieri und Peter Singer Festakt für die Initiatoren des "Great Ape Project" in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt
http://tierrechte.blog.de/2011/05/16/ethik-preis-paola-cavalieri-peter-singer-festakt-initiatoren-great-ape-project-deutschen-nationalbibliothek-frankfurt-11164000/

Von Michael Zander
Philosophie der Angst. Der australische Euthanasie-Befürworter Peter Singer erhält den Ethikpreis der Giordano-Bruno-Stiftung.

Singers dritte Aussage (aus der »Praktischen Ethik«) über das Verhältnis seiner Philosophie zum Faschismus verzichtet auf eine Abgrenzung: »Die Nazis haben fürchterliche Verbrechen begangen; aber das bedeutet nicht, daß alles, was die Nazis taten, fürchterlich war. Wir können die Euthanasie nicht nur deshalb verdammen, weil die Nazis sie durchgeführt haben, ebenso wenig wie wir den Bau von neuen Straßen aus diesem Grund verdammen können.«

http://tierrechte.blog.de/2011/06/06/philosophie-angst-australische-euthanasie-befuerworter-peter-singer-erhaelt-ethikpreis-giordano-bruno-stiftung-11275796/

Leo Tolstoi, Clara Wichmann, Elisée Reclus, Magnus Schwantje u.a.
Das Schlachten beenden!
Zur Kritik der Gewalt an Tieren. Anarchistische, pazifistische, feministische und linkssozialistische Traditionen

Zitat: "Aufgrund der Unkenntnis und der bisher fehlenden Erforschung der historischen Begründungen für Vegetarismus sowie der Vorläuferbewegungen des Veganismus richtet sich der aktuelle Diskurs von GegnerInnen und BefürworterInnen der veganen/vegetarischen Lebensweise immer wieder auf den umstrittenen australischen Philosophen Peter Singer aus. Dessen problematische, an Nützlichkeitserwägungen und personalen Interessen ausgerichteter Utilitarismus wird oft für das allgemeine geistige Fundament dieser Bewegung gehalten, ja Singer sogar zum "historischen Vater" der veganen Bewegung stilisiert, obgleich sein Hauptwerk Animal Liberation erst 1975 erschien. Neuere Diskussionen um das Selbstverständnis dieser Bewegung zentrieren sich daher um Themen und Begriffe, die durch diese Rezeption zentral geworden sind, etwa "Speziesismus" oder "Anti-Speziesismus". In einer Artikelserie der Graswurzelrevolution zum Beispiel ist die Zuspitzung der aktuellen Diskussion auf diesen Begriff problematisiert worden."

http://www.graswurzel.net/verlag/vege.shtml

Zitate von Peter Singer:

* ...In Übereinstimmung mit den dort genannten Gründen habe ich alles in allem keine Einwände gegen die Freilandhaltung von Hühnern zur Eierproduktion."

Peter Singer, Philosoph und Autor
("Animal Liberation - Die Befreiung der Tiere", dt. Ausgabe, rororo, 1990, S. 284)

* "Ersetzen Sie Eier aus Legebatterien durch Eier aus Freilandhaltung [...] fühlen Sie sich nicht verpflichtet, alle Lebensmittel, die Milcherzeugnisse enthalten, um jeden Preis zu vermeiden."

Peter Singer, Philosoph und Autor ("Animal Liberation - Die Befreiung der Tiere", dt. Ausgabe, rororo, 1990, S. 285)

* Das bloße Vermeiden von Produkten aus der Massentierhaltung ist ein große Schritt in die richtige Richtung, selbst wenn Sie fortfahren, eine mäßige Menge biologisch erzeugter, auf Weideland gezüchteter Tierprodukte zu essen.

*Jetzt nehmen einige Leute im Übrigen an, dass ich in Animal Liberation gesagt hätte, Tiere zu töten sei grundsätzlich falsch und dass das irgendwie die Basis für Vegetarismus oder Veganismus sei. Aber wenn sie in Animal Liberation nachlesen, würden sie dieses Argument nicht finden.

* Es ist sehr schwierig, ein gewissenhafter Omnivore zu sein und alle ethischen Probleme zu vermeiden, aber wenn man wirklich konsequent darin wäre, nur Tiere zu essen, die ein gutes Leben hatten, könnte das eine vertretbare ethische Position sein.

(Guardian-Interview, 08.09.2006)

Weitere Blogeinträge zu Peter Singer:
http://tierrechte.blog.de/tags/peter-singer/