Europäische Verbraucher werden auch künftig nicht erfahren, ob Produkte im Supermarkt von Nachfahren geklonter Tiere stammen. Denn es muss nicht einmal besonders gekennzeichnet werden.

Klonfleisch

Es ist eine Niederlage für die europäischen Verbraucher: Sie werden weiter nicht erfahren, ob das Fleisch auf ihrem Teller und die Milch im Glas von sogenannten Klontieren oder deren Nachkommen stammen. Verhandlungen über eine EU-Regelung mit dem Ziel eines Verbots oder zumindest einer Kennzeichnungspflicht sind in der Nacht zum Dienstag in Brüssel endgültig gescheitert. Damit sei nun der Weg frei für Klonfleisch, kritisierte die SPD-Europaabgeordnete und Verbraucherschutzexpertin Dagmar Roth-Behrendt. Nach ihren Angaben lehnten Deutschland, Spanien, Großbritannien, Schweden und die Niederlande alle Kompromissvorschläge der Verhandlungsführer des Europaparlaments ab.

Es bleibt nun bei der gegenwärtigen Rechtslage ohne EU-Vorschriften. Bei den seit Wochen andauernden zähen Verhandlungen waren sich die Vertreter von Parlament und EU-Staaten zwar darin einig, dass der Handel mit Fleisch und Milch von Klontieren selbst verboten werden soll. Die Parlamentarier hatten zunächst aber ein umfassendes Verbot auch für Fleisch, Fleischprodukte und Milch der Klon-Nachfahren gefordert. Gegner eines solchen Verbots hatten argumentiert, dies könnte zu einem weiteren Handelsstreit mit den USA führen, wo Klonfleisch bereits zugelassen ist

Die Verbraucherorganisation Foodwatch wertete das Scheitern der Verhandlungen als Kapitulation gegenüber Handelsinteressen. „Sichere Exportmärkte für europäische Agrarüberschüsse sind offenbar wichtiger als die elementaren Transparenzrechte der Verbraucher“, beklagte Foodwatch-Vize Matthias Wolfschmidt. Der Deutsche Tierschutzbund beklagte, dass „das tierquälerische Klonen“ nun weitergehe.

Was ist Klonfleisch?

Geklonte Tiere sind exakte Kopien bereits existierender Tiere, die durch gentechnische Verfahren im Labor gezeugt und dann von Leihmüttern ausgetragen werden. Das Fleisch dieser Tiere soll im Allgemeinen nicht verwendet werden – denn das Klonen ist sehr teuer, das Schlachten der Tiere daher wirtschaftlich nicht sinnvoll. Auf den Markt kommen könnte aber das Fleisch der Nachkommen der geklonten Tiere oder die Milch von Klontieren und ihren Nachkommen.

Ist der Verkauf erlaubt?

Der Verkauf des Fleischs geklonter Tiere ist in Europa nicht geregelt, einige Rechtswissenschaftler leiten aber aus anderen Vorschriften ein Verbot ab. Tierschützer etwa verweisen auf die EU-Richtlinie, die künstliche Zuchtmethoden verbietet, wenn diese den Tieren Leiden und Schmerzen zufügen. Weil das beim Klonen geschehe, argumentieren sie, müsse jede Art von Klonfleisch verboten sein. Für das Fleisch von den Nachkommen der Klontiere gibt es keine Regelung – und dabei bleibt es nach dem Scheitern der Verhandlungen nun auch. In den USA ist Klonfleisch seit Anfang 2008 erlaubt. In Europa ist das Fleisch der Nachfahren geklonter Tiere eigentlich nicht erhältlich. Allerdings ist etwa in Großbritannien bereits Klonfleisch ohne Kontrollen in den Handel gelangt. Unklar ist die Situation in den USA: Dort wurden bereits Mastbullen geklont. Ob das Fleisch ihrer Nachkommen in den Supermärkten und auf den Tischen der Verbraucher landet, ist dort nicht nachzuvollziehen, denn eine Kennzeichnung ist nicht vorgeschrieben. Sichergehen können Verbraucher nur, wenn sie Bio-Fleisch kaufen – denn die Vorschriften für Bio-Lebensmittel sehen ein Verbot von Gentechnik vor.

Warum lohnt sich Klonfleisch?

Denkbar ist, dass Bauern ihre besten Zuchtbullen klonen lassen – damit nicht nur das Tier selbst, sondern auch dessen Kopien wiederum massenhaft Nachkommen zeugen. Damit ließen sich die Kosten für die Massenproduktion von Tieren senken. Auch Kühe, die besonders viel Milch geben, könnten einfach geklont werden, um die Produktion von Milch billiger zu machen.

Wie gefährlich ist es?

Der Verzehr von Fleisch, Eiern oder Käse von den Nachkommen geklonter Tiere ist ungefährlich. Das hätten wissenschaftliche Untersuchungen eindeutig ergeben, sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli gestern: „Ja, ich würde geklontes Rindfleisch essen.“ Das Fleisch dürfte sich nicht von dem der ursprünglichen Tiere unterscheiden – denn Klontiere sind ja exakte Kopien natürlich gezeugter Artgenossen. Kritiker melden aber ethische Bedenken an. Die von der EU-Kommission eingesetzte Ethikgruppe sieht „keine überzeugenden Argumente, welche die Herstellung von Nahrungsmitteln von Klonen und ihren Nachkommen rechtfertigen“. Tierschützer verweisen neben dem Leiden der Tiere auf die geringe Erfolgsquote beim Klonen: Nur wenige Klonembryonen überleben, und häufig sind Fehlgeburten die Folge. Klontiere selbst sind oft krankheitsanfälliger und leben kürzer.

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http://www.morgenpost.de/web-wissen/article1592515/Klonfleisch-bleibt-in-deutschen-Supermaerkten.html